• Krimi

    Frostmond von Frauke Buchholz

    In Montreal wird die Leiche einer sehr jungen Cree-Frau angeschwemmt. Sie wurde gefoltert, misshandelt und durch einen aufgesetzten Kopfschuss getötet. Die Sûreté sieht schnell einen Zusammenhang, zu den Morden an indigenen Frauen entlang des Transcanada Highways, und zieht den Profiler Ted Garner hinzu. Dessen Zusammenarbeit mit dem ermittelnden Sergeant Jean-Baptist LeRoux gestaltet sich schwierig. In einem sind die beiden sich allerdings relativ einig, und zwar was die Vorurteile der indigenen Bevölkerung gegenüber betrifft. Sie machen sich äußerst widerwillig an die Aufklärung, schließlich geht es „nur“ um eine Indianerin, die wohl eh niemand vermisst. Doch einer vermisst sie und macht sich alleine auf um Jeanette Maskisin zu rächen.

    Frauke Buchholz greift für ihren Krimi ein wichtiges Thema auf, das wahrlich kein Ruhmesblatt für den Ruf Kanadas als freies, liberales Land ist; denn die Morde an indigenen Frauen entlang des Transcanada Highways sind keine Erfindung, sondern geschehen und die Aufklärung steht nicht gerade hoch oben auf der Agenda der Behörden. Auch im ach so freiheitlichen und offenen Kanada ist Alltagsrassismus nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel.

    Im ersten Drittel des Buches habe ich mich recht schwergetan, weil da ein Ungleichgewicht zwischen der Botschaft und der Geschichte ist. Auch hat mir das Bedienen von Klischees nicht gefallen. Der dauernd fremdgehende, ausgebrannte, zu viel trinkende Franko-Canadier LeRoux, der kopfgesteuerte, seine Gefühle unterdrückende Anglo-Canadier Ted Garner, dessen angebliche Brillanz als Profiler, sich mir im gesamten Buch nicht vermittelte und der nur um eine gute Presse besorgte Leiter der Sûreté. Um einige Beispiele zu nennen. Mehr Gleichgewicht ist wieder vorhanden, wenn sie das Leben im Cree-Reservat beschreibt. Aber eine gewisse Ausgewogenheit fehlte im Grunde dem ganzen Buch. Immer wenn mich die Geschichte zu fesseln begann, kam eine unrealistische Wendung, eine Phrase oder eine Aktion, die mich störte.

    Trotz all meiner Kritik, bin ich froh über dieses Buch und wünsche ihm viele LeserInnen. Doch ich hoffe auch, dass die Autorin in ihrem nächsten Werk, die gleiche Sorgfalt, die sie den realen Fakten einräumt, ihren Charakteren und ihrem Plot zuteil werden lässt.