Krimi

Herbarium, giftgrün von Gert Ueding

Es beginnt mit einer Notiz, die dem Maler Max Kersting bei einer Veranstaltung seiner alten Universität zugespielt wird. Sie wurde, bei einer in einem Hörsaal, totaufgefundenen Studentin entdeckt. Max Kersting soll die Notiz, in der von einem Herbarium die Rede ist, entschlüsseln. Er denkt sich nicht so viel dabei, auch wenn ihn das Rätsel lockt und auch wenn die besagte Studentin unter ungeklärten Umständen gestorben ist. Richtig interessant wird es für ihn, als er noch am selbigen Abend zusammengeschlagen und ihm die Notiz abgenommen wird. Das macht ihn neugierig und wütend … er beginnt zu ermitteln und stößt dabei auf einen Sumpf von Korruption. Der Handel mit Doktortiteln und Gefälligkeitsgutachten ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Und das nicht nur im beschaulichen Tübingen. Doch Kersting stolpert auch noch über die eine oder andere Ungereimtheit. Zum Beispiel Studierende, die sich plötzlich, aus nicht nachvollziehbaren Gründen, sehr verändern und von ihren Familien zurückziehen.

Gert Ueding war bis 2009 Ordinarius für allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen, kennt also sein Umfeld. Auch das Sujet seines Buches hat Bezug zur Wirklichkeit und gibt genügend Material für Spannung. Leider geht viel davon durch die sehr distanzierte Schreibweise verloren. Die Charaktere wirken konstruiert und nicht wirklich stimmig. Der Protagonist zum Beispiel ist Mitte dreißig, redet und gebärdet sich allerdings eher wie Mitte Fünfzig. Gefühlsintensive Situationen werden nahezu klinisch abgehandelt. Wenn eine Person Wut empfindet, dann möchte ich als Leserin nicht mit „… nun war er wirklich wütend und würde nicht lockerlassen“, abgespeist werden, sondern die Wut des Handelnden spüren. Auch die genauen Herkunftsangaben eines jeden getrunkenen Weines lassen den Spannungsbogen so manches Mal abflachen. Schade drum, denn es ist ein interessanter, spannender Stoff und mit etwas weniger Dekoration und mehr Mut zu Gefühlen, hätte es ein richtig guter Krimi werden können.

Karin Braun, Jahrgang 1957, geboren in Pinneberg. Karin Braun, floh die Kleinstadt schnell. Es folgten kurze Ausflüge in verschiedene Berufe, um schließlich beim Schreiben zu landen. Karin Braun lebt in Kiel und arbeitet als Autorin, Literaturbloggerin, Herausgeberin – kurz: sie macht was mit Büchern ... und mit Fotos.

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