• Sachliches

    China Japan – Zwei Reiche unter einem Himmel von Kai Vogelsang

    Gastbeitrag von Viktor Braun

    Ein Buch über etwa 500 Seiten, wobei der eigentliche Text „nur“ etwa 400 Seiten umfasst, kann natürlich an der gemeinsamen 4 000-jährigen Geschichte der beiden Staaten – besser ausgedrückt, Regionen, denn in den ersten Jahrtausenden konnte man da nicht von Staatsgebilden reden- eigentlich nur an der Oberfläche kratzen, sollte man denken. Trotzdem ist es Kai Vogelsang gelungen, die wechselhaften kulturellen, politischen und Handels-Beziehungen über die Jahrtausende gut zu beleuchten. Beim studieren des Buches wird einem auch gewahr, dass da ganz schön viel Arbeit drinsteckt.

    Es ist kein Buch, das man einfach so wegliest, denn es ist vollgestopft mit Informationen, die man Schritt für Schritt verdauen muss. Im 100-seitigen Anhang werden die z. T. noch etwas erläutert, Quellenhinweisen für weiterführende Studien interessierter Leser werden auch reichlich mitgeliefert.

    Einiges an den widersprüchlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten wird aber klarer, wenn man dieses Buch gelesen hat. Man erkennt, dass die wechselvolle Geschichte, in der zuerst die Chinesen aber im Laufe der Jahrtausende auch öfter mal die Japaner in Kultur und Wissenschaft dem jeweils anderen Kulturkreis voraus waren und diesen durch Wissens– und Techologietransfer wiederum befruchteten, schon immer voller Widersprüche war.

    Es liefert einige überraschende Erkenntnisse, die auch die westliche Überheblichkeit etwas dämpfen könnten. Aber auch die Heuchelei der westlichen Moralisten in ihrem Reden und Handeln (nicht nur) gegenüber den ostasiatischen Völkern werden entlarvt: Japan wurde erst in den Kreis der „zivilisierten“ Staaten aufgenommen, nachdem es gezeigt hatte, dass es andere Staaten (Russland) mit militärischen Mitteln besiegen konnte, wobei es mit dem Westen ebenbürtiger Grausamkeit agierte.

    Trotz der (relativen) Kürze ist es ein Buch, das uns Lesern das Verständnis dieser beiden ostasiatischen Kulturen,  inzwischen Staaten näher bringt. Sehr informativ und eine gute Ausgangsbasis für weitere Studien, falls Interesse dran besteht.

  • Einfach schön,  Sachliches

    Voll fiese Flora von Monika Geier

    Die meisten in diesem Buch vorgestellten Pflanzen wachsen in unserer unmittelbaren Umgebung. Wer freut sich nicht an Pfaffenhütchen, Goldregen, Petersillie und Konsorten? Doch selten macht mensch sich bewusst, dass einige dieser Pflanzen äußerst gefährlich sein können und nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Nachtschatten und Tollkirsche. Monika Geier kennt sich aus, schließlich schreibt sie Krimis und zwar sehr gute. Acht Stück sind bei Ariadne Argument erschienen.

    Dieses Buch ist aber nicht nur wegen der Informationen ein Schatzkästlein, sondern auch wegen der Illustrationen, die ebenfalls von der Autorin stammen.

  • Roman,  Sachliches,  Sagen und Märchen,  Uncategorized

    Ein neues Lesejahr

    … und es beginnt großartig. Hier ein kleiner Eindruck was sich gerade bei mir tummelt.

    Genaueres schreibe ich zu den Büchern, wenn ich sie gelesen habe. Gerade lese ich „Die verborgenen Stimmen der Bücher“ von Bridget Collins, Übersetzerin: Ulrike Seeberger, erschienen im Aufbau Verlag. Dazu kommt die nächsten Tage ein Beitrag.

    Ich habe eine ausgeprägte Neigung, neben belletristischen Werken Sachbücher zu lesen. Gerne parallel, komischer Weise Romane im Bett und Sachbücher am Schreibtisch. China und Japan von Kai Vogelsang ist gerade dran.

    Euch allen ein reiches literarisches, gesundes, wundervolles 2021

  • Einfach schön,  Sachliches

    Das schöne Leben der Toten von Milena Moser & Victor Mario Zaballa

    Jeder Mensch, egal welcher kulturellen Prägung, stellt sich irgendwann einmal die Frage: Was geschieht eigentlich nach dem Tod? … und beantwortet sie sich entweder mit: „Keine Ahnung!“ oder nach religiöser, kultureller Prägung. Meistens vermeiden die meisten Menschen es jedoch an den Tod zu denken, wobei dieser doch die einzige Gewissheit im Leben ist. In der mexikanischen Kultur werden die Toten gefeiert, sie werden am Diá de la Muertos eingeladen mit den Lebenden zu feiern. Genau genommen werden sie gelockt, denn die Verbindung zur Welt der Lebenden sind Essen, der Duft von Blumen und Freundschaft.

    Doch es ist nicht nur dieser Tag, es ist diese generell andere, eher freundschaftliche Haltung dem Tod gegenüber, die zu diesem Buch geführt hat. Milena Moser, Schriftstellerin, Schweizerin und seit fünf Jahren in den USA ansessig und Victor-Mario Zaballa, bildener Künstler toltekischer Herkunft , leben zusammen, arbeiten zusammen, sind mittlerweile verheiratet und der Tod ist für sie beide keine abstrakte Möglichkeit in ferner Zukunft, sondern täglich präsent, denn Zaballa hat mehrere lebensbedrohliche Erkrankungen, die ihn weder in seiner Kreativität noch in seiner Lebensfreude behindern. So gestaltet er regelmäßig auf der SomArt in San Francisco einen Altar zum Dia de los Muertos und auch im Hause Moser-Zaballa werden die lieben Verstorbenen an diesem Tag mit Essen, Liebe und Blumen gelockt, einen Abend mit den Lebenden zu verbringen. Die Toten müssen gelockt werden, denn ihnen geht es nach mexikanisch/toltekischer Auffassung sehr gut in einer der vielen Jenseitsmöglichkeiten.

    Es ist ein heiteres Buch, über Freundschaft, Liebe und Tod und alles was das Leben sonst noch ausmacht. Es kein langes Buch, gerade einmal 128 Seiten, illustriert mit Fotos von Victor Zaballas Altären und Zeichnungen, doch es ist auch ein gehaltvolles Buch und ein tröstendes. Ich kann es nur empfehlen.