• Krimi

    Der letzte Grund von Volker Pesch

    Es beginnt damit, dass der Traditionssegler Sansibar auf den Grund des Rostocker Hafens sinkt. Eigentlich kein Fall für Hauptkommisarin Doro Westkamp, wäre da nicht eine Leiche in einer der Kabinen und die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Unfall handelt, mit jedem Tauchgang geringer wird. Es ist ohnehin so einiges los in Rostock. Ein Kollege von Doro Westkamp wird als Mitglied einer rechtsradikalen Terrorgruppe verhaftet und dass der Schiffsuntergang und das Verschwinden des Bootsmannes damit in Verbindung stehen könnte, scheint immer wahrscheinlicher.

    Volker Pesch geht viele Themen auf einmal an in „Der letzte Grund“. Rechtsextremismus, Beutekunst, Mord und Burn out. In der Regel geht so etwas schief, daher habe ich auch ein wenig skeptisch zu lesen begonnen und wurde angenehm überrascht. Volker Pesch hält die Fäden seiner vielschichtigen Handlung meisterhaft in der Hand und hat mit „Der letzte Grund“ einen echten Pageturner geschaffen, und mit Doro Westkamp eine interessante Ermittlerin eingeführt, von der man gerne mehr lesen möchte.

    Einziger Wermutstropfen, aber dass ist nun wahrlich ein ganz persönlicher, der Polizeiseelsorger Tom Schroeder, Peschs Protagonist früher Werke, hätte gerne ein wenig mehr Raum einnehmen dürfen.

    Das Buch erscheint am 28. April 2021

  • Krimi

    Herbarium, giftgrün von Gert Ueding

    Es beginnt mit einer Notiz, die dem Maler Max Kersting bei einer Veranstaltung seiner alten Universität zugespielt wird. Sie wurde, bei einer in einem Hörsaal, totaufgefundenen Studentin entdeckt. Max Kersting soll die Notiz, in der von einem Herbarium die Rede ist, entschlüsseln. Er denkt sich nicht so viel dabei, auch wenn ihn das Rätsel lockt und auch wenn die besagte Studentin unter ungeklärten Umständen gestorben ist. Richtig interessant wird es für ihn, als er noch am selbigen Abend zusammengeschlagen und ihm die Notiz abgenommen wird. Das macht ihn neugierig und wütend … er beginnt zu ermitteln und stößt dabei auf einen Sumpf von Korruption. Der Handel mit Doktortiteln und Gefälligkeitsgutachten ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Und das nicht nur im beschaulichen Tübingen. Doch Kersting stolpert auch noch über die eine oder andere Ungereimtheit. Zum Beispiel Studierende, die sich plötzlich, aus nicht nachvollziehbaren Gründen, sehr verändern und von ihren Familien zurückziehen.

    Gert Ueding war bis 2009 Ordinarius für allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen, kennt also sein Umfeld. Auch das Sujet seines Buches hat Bezug zur Wirklichkeit und gibt genügend Material für Spannung. Leider geht viel davon durch die sehr distanzierte Schreibweise verloren. Die Charaktere wirken konstruiert und nicht wirklich stimmig. Der Protagonist zum Beispiel ist Mitte dreißig, redet und gebärdet sich allerdings eher wie Mitte Fünfzig. Gefühlsintensive Situationen werden nahezu klinisch abgehandelt. Wenn eine Person Wut empfindet, dann möchte ich als Leserin nicht mit „… nun war er wirklich wütend und würde nicht lockerlassen“, abgespeist werden, sondern die Wut des Handelnden spüren. Auch die genauen Herkunftsangaben eines jeden getrunkenen Weines lassen den Spannungsbogen so manches Mal abflachen. Schade drum, denn es ist ein interessanter, spannender Stoff und mit etwas weniger Dekoration und mehr Mut zu Gefühlen, hätte es ein richtig guter Krimi werden können.

  • Krimi,  Kurzgeschichten

    Mörderische Ostsee von Claudia Schmid

    Wenn Zweie eine Reise tun, denn können sie was erleben. Besonders wenn es sich um Edelgard und Norbert Buchmann handelt. Die beiden, eigentlich besonders Edelgard, scheinen Kriminalfälle nur so anzuziehen. So gestaltet sich ihre Reise rund um die Ostsee entsprechend spannend. 11 Stationen und 11 Kriminalfälle. Sie starten in Stockholm und enden in Helsinki.

    Es hat Spaß gebracht, diese Beiden, und streckenweise auch Sohn Julian und die Journalistin Marja, zu begleiten und so nicht nur ein bisschen was vom Baltikum kennenzulernen, dabei in Spannung zu schwelgen ohne selbst in Gefahr zu laufen, dahin gerafft zu werden. Denn das Leben in der Nähe von Edelgard und Norbert ist nicht ungefährlich.

    Die Reisestationen sind sauber recherchiert, die Geschichten spannend, und auch, dass es nicht einfach 11 Kurzgeschichten waren, sondern dass die Autorin sich für einen Überbau entschieden hat, hat mir gefallen.

  • Krimi

    Frostmond von Frauke Buchholz

    In Montreal wird die Leiche einer sehr jungen Cree-Frau angeschwemmt. Sie wurde gefoltert, misshandelt und durch einen aufgesetzten Kopfschuss getötet. Die Sûreté sieht schnell einen Zusammenhang, zu den Morden an indigenen Frauen entlang des Transcanada Highways, und zieht den Profiler Ted Garner hinzu. Dessen Zusammenarbeit mit dem ermittelnden Sergeant Jean-Baptist LeRoux gestaltet sich schwierig. In einem sind die beiden sich allerdings relativ einig, und zwar was die Vorurteile der indigenen Bevölkerung gegenüber betrifft. Sie machen sich äußerst widerwillig an die Aufklärung, schließlich geht es „nur“ um eine Indianerin, die wohl eh niemand vermisst. Doch einer vermisst sie und macht sich alleine auf um Jeanette Maskisin zu rächen.

    Frauke Buchholz greift für ihren Krimi ein wichtiges Thema auf, das wahrlich kein Ruhmesblatt für den Ruf Kanadas als freies, liberales Land ist; denn die Morde an indigenen Frauen entlang des Transcanada Highways sind keine Erfindung, sondern geschehen und die Aufklärung steht nicht gerade hoch oben auf der Agenda der Behörden. Auch im ach so freiheitlichen und offenen Kanada ist Alltagsrassismus nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel.

    Im ersten Drittel des Buches habe ich mich recht schwergetan, weil da ein Ungleichgewicht zwischen der Botschaft und der Geschichte ist. Auch hat mir das Bedienen von Klischees nicht gefallen. Der dauernd fremdgehende, ausgebrannte, zu viel trinkende Franko-Canadier LeRoux, der kopfgesteuerte, seine Gefühle unterdrückende Anglo-Canadier Ted Garner, dessen angebliche Brillanz als Profiler, sich mir im gesamten Buch nicht vermittelte und der nur um eine gute Presse besorgte Leiter der Sûreté. Um einige Beispiele zu nennen. Mehr Gleichgewicht ist wieder vorhanden, wenn sie das Leben im Cree-Reservat beschreibt. Aber eine gewisse Ausgewogenheit fehlte im Grunde dem ganzen Buch. Immer wenn mich die Geschichte zu fesseln begann, kam eine unrealistische Wendung, eine Phrase oder eine Aktion, die mich störte.

    Trotz all meiner Kritik, bin ich froh über dieses Buch und wünsche ihm viele LeserInnen. Doch ich hoffe auch, dass die Autorin in ihrem nächsten Werk, die gleiche Sorgfalt, die sie den realen Fakten einräumt, ihren Charakteren und ihrem Plot zuteil werden lässt.

  • Krimi

    Die Apotheker von Sven Böttcher

    Die Apotheker von Sven Böttcher

    Hannes und Bea Hertz, Besitzer der Hertz Apotheken, sind Apotheker aus Leidenschaft und sich auch im privaten Leben leidenschaftlich zugetan. Ihre Kunden werden, zum Teil mit eigenen Präparaten, gut bedient. So ist es Bea gelungen, ein Neurodermitis-Mittel zu entwickeln, dass im Gegensatz zum offiziellen, keine Nebenwirkungen hat. Beide Hertzens stehen der Pharmaindustrie kritische gegenüber und lehnen sich oft genug weit aus dem Fenster, was natürlich zu Schwierigkeiten führt und der Konkurrenz Futter für Beschwerden gibt. Das alles nehmen sie mit relativen Humor. Sogar zu dem für sie zuständigen Pharmareferenten Patrick Hillert pflegen sie ein gutes Einvernehmen, doch der ist auf einmal tot. Herzinfarkt unter sehr merkwürdigen Umständen und dann wird er auch noch eingeäschert, wo er doch begraben werden wollte. Un das kurz nachdem er versucht hat Bea zu überreden, ihre Galenik für das Neurodermitis-Medikament an seine Firma zu verkaufen. Hannes wittert Unrat, Bea eher nicht. Doch dann bringt Partrick Hillerts Firma ein Medikament für Multiple Sklerose auf den Markt, welches auf Beas Galenik aufbaut und für einen übertriebenen Preis verkauft werden soll. Nun überschlagen sich die Ereignisse.

    Sven Böttcher hat sich schon in dem Sachbuch Rette sich wer kann mit der Krankheitsindustrie auseinander gesetzt und greift das Thema nun belletristisch auf. Der Erzählstil ist locker, der Plot gut aufgebaut, die Aufmachung des Buches sehr edel und der Autor beherrscht sein Thema. Ein spannendes, interessantes, nachhaltiges Leseerlebnis von der ersten bis zur letzten Seite.

  • Krimi

    Stadt, Land, Raub von Marcie Rendon

    Renee Blackbear aka Cash, geht aufs College, ihr Auskommen finanziert sie mit Landarbeit und Billardspielen. Cash ist eine Einzelgängerin. Aufgewachsen ist sie in den verschiedensten Pflegefamilien, in denen sie Übergriffe und Gewalt erlebt hat, bis sie schließlich von Sheriff Wheaton in eine eigene Wohnung verfrachtet und ermutigt wurde aufs College zu gehen. Cash hat es nirgends einfach, Sicherheit und Zugehörigkeit kennt sie nicht. Weder zu den anderen indianischen StudentInnen noch zu ihren Kneipenkumpels. Wirklich nahe ist ihr nur, als eine Art Vaterersatz, Sheriff Wheaton. Ebenfalls ein native American. Er ist es auch, der sie um Hilfe bittet, als am College plötzlich ein Mädchen verschwindet und kurze Zeit darauf ein weiteres.

    Die Geschichte spielt 1970. Eine aufregende Zeit, nicht nur für Cash. Sie ist die die am Rand steht, die immer wachsam ist, die ihre Geschichte, eine die es durch die Zwangsadoptionen und das Pflegefamiliensystem dieser Zeit viel zu viele gibt, in denen so viele Kinder der mit indianischen Wurzeln traumatisiert und eben dieser Wurzeln beraubt wurden. Cash ist auch keine typische Detektivin, wie auch Stadt Land Raub kein typischer Krimi ist, denn den klassichen Ermittler, die klassische Ermittlerin gibt es nicht. Das Cash sich auf die Suche nach den verschwundenen Mädchen macht, ist eher ihrer Neugier geschuldet, als dem Wunsch kriminalistisch tätig zu werden.

    Stadt Land Raub ist Marcie Rendons zweites Buch um Cash, eine sehr intelligente junge Frau, die Kette raucht, Bier trinkt, Billard spielt und studiert. Leider habe ich den Vorgänger nicht gelesen, was ich allerdings so schnell wie möglich nachholen werde. Im Grunde hat mir alles an diesem Buch gefallen. Marcie Rendon beschreibt ihre Protagonistin als eine junge Frau, die zwar Opfer eines unmenschlichen Systems wurde, aber nicht bereit ist Opfer zu sein, sondern ohne Larmoyanz ihr Leben und die Chancen die sich ihr bieten annimmt.

  • Krimi

    Blumberg 2 von Andreas Niedermann

    Der Onkel von Demian Hesse liegt durch einen mysteriösen Unfall im Koma. Isa Blumberg, Ex-Punkerin, nicht ganz freiwillige Pflegemutter einer fast 18-jährigen, ehemalige Journalistin und depressiv, nimmt den Auftrag an die Umstände zu ermitteln. Sie hat gute Gründe Wien für eine Zeit zu verlassen, denn es gibt da eine gewisse Weste in der sich Geld befindet, ein Überbleibsel des vorherigen Falls, von dem sie sich recht freizügig bedient hat und dieses Geld gehört nicht sehr netten Leuten. Also nimmt die den Auftrag an, um den Westeninhalt wieder aufzufüllen. Natürlich geht bei Isa Blumberg wie immer nichts einfach glatt. Da ist eine Ex-Geliebte, die sich bei ihr einquartiert. Ganz zu schweigen von Düzen, der türkischen Taxifahrerin, die bereits in Blumberg 1 mit von der Partie war. Düzen hat mitsamt Baby Ferry ihren Mann verlassen und besteht darauf Isa zu begleiten, was die Ermittlungen nicht einfacher macht.

    Blumberg 2 – Die Wachswalze schließt direkt an Teil 1 an. Sicher lässt es sich unabhängig von diesem lesen, allerdings werden Direktleser und -leserinnen versucht sein, sofort Teil 1 zu ordern, um näheres über die Charaktere zu erfahren. Andreas Niedermann hat Suchpotential und so ist es sehr zu begrüßen, dass es auch einen Blumberg 3 geben wird.